Manch aufgewecktes Kind hat
sich schon heimlich gefragt: Wie kann der Mann, der mit gemütlichem
Glöckchenklingeln auf einem Schlitten vorfährt, um mir tolle
Geschenke zu bringen, zugleich Tausende von anderen Kindern beglücken
- und das alles an ein und demselben Tag? Eine berechtigte Frage, fanden
wir. Und so entschlossen wir uns, einen Zipfel des Geheimnisses zu lüften,
indem wir mal genauer nachrechneten.
Auf der Welt gibt es über 6 Milliarden Menschen, ein Drittel davon
sind Kinder. Allerdings entstammen nur etwa 400 Millionen von ihnen
christlich orientierten Ländern, wie amerikanische Forscher berechneten.
Die Kinder des Islam, der Israelis, der Hindus, der Buddhisten und einer
Reihe weiterer, kleinerer Religionen gehören nicht zum Kundenkreis
des Weihnachtsmannes. Unter Berücksichtigung der durchschnittlichen
Familiengrößen im christlichen Kulturkreis bedeutet dies,
daß der Weihnachtsmann am 24. Dezember etwa 100 Millionen Haushalten
seinen Besuch abstattet.
Der Arbeitsaufwand reduziert sich weiter, wenn man bedenkt, daß
der Heiligabend ja nicht für alle zur gleichen Zeit stattfindet.
Da sich die Erde dreht, durchwandert der Tag 24 Zeitzonen. Bedenkt man
weiterhin, daß der Weihnachtsmann sein Geschenkeverteilungsgeschäft
zwischen zwei Uhr nachmittags und acht Uhr abends vornehmen kann, stehen
ihm für seine Arbeit insgesamt dreißig Stunden zur Verfügung.
Vorausgesetzt, er beginnt am frühen Nachmittag im fernen Osten
(sibirische Pazifikküste) und beendet sie abends im äußersten
Westen (Kalifornien).
Dreißig Stunden Arbeit am Stück - das ist sicher hart, aber
durchaus machbar. Immerhin fällt für den Weihnachtsmann so
ein überlanger Arbeitstag ja nur einmal im Jahr an. Wie oft muß
dagegen ein Klinikarzt 36 Stunden Bereitschaft ableisten und unter Umständen
die ganze Zeit im Einsatz sein!
Pro Stunde fährt nach dieser Rechnung der Weihnachtsmann durchschnittlich
3,3 Millionen Haushalte an. Das sind 55 000 Haushalte pro Minute
oder 917 pro Sekunde. Das ist olympiareif! Doch wie wir wissen, arbeitet
er nicht allein. Man hört immer wieder, daß ihm da ein gewisses
Christkind zur Seite steht. Und damit kommen wir zu einem besonders
dunklen Kapitel des Weihnachtsgeschäftes - Kinderarbeit! Dieses
Christkind scheint allerdings kein gewöhnliches Kind zu sein, sondern
ein Mutant, ein Produkt der Gentechnik. Darauf weisen seine Flügel
hin. Zu welchen Fitnessleistungen ein gentechnisch veränderter
Mensch in der Lage ist, lassen neueste Ergebnis der Genforschung ahnen.
Gentechnisch verändert scheinen auch die Tiere zu sein, die den
Schlitten des Weihnachtsmannes ziehen. Daß er über mehrere
Gefährte verfügt, ist offensichtlich. Zum einen fährt
er in bestimmten Gegenden mit Pferden, in anderen mit Rentieren vor.
Besonders die Rentiere scheinen - wenn man den vorliegenden Abbildungen
glauben darf - in der Lage zu sein, sich fliegend fortzubewegen, obwohl
sie (im Gegensatz zum Christkind) keine Flügel haben.
Zum anderen ist das Gesamtgewicht der zu verteilenden Geschenke zu
berücksichtigen. Selbst wenn er pro Kind nur ein halbes Kilo Geschenke
verteilt, ergibt sich bei 400 Millionen Kindern noch ein Gesamtgewicht
von 200 000 Tonnen! Die transportiert er garantiert nicht alle
auf einem Schlitten. Wo er aber seine Schlitten versteckt hält,
und wo er von einem bereits geleerten auf einen noch voll beladenen
Schlitten wechselt, hat noch niemand herausfinden können.
Damit ist zumindest klar, was der Weihnachtsmann an den übrigen
Tagen des Jahres tut. 400 Millionen Päckchen packen - das sind
(bei 365 Tagen im Jahr) fast 1,1 Millionen Päckchen am Tag, das
macht mehr als 50 000 Päckchen in der Stunde, rund 850 in
der Minute, etwa 15 in der Sekunde! Ohne Sonn- und Feiertag, ja sogar
ohne Schlafenszeit gerechnet. Haben Sie schon einmal versucht, 15 Päckchen
in der Sekunde zu packen? Das zeigt, welche Leistungsstärke jahrhundertelange
Übung zustande bringt.
Wir geben zu, daß mit unseren Berechnungen noch nicht alle Rätsel
um den Weihnachtsmann gelöst sind. Für die weitere Forschung
bleibt noch viel zu tun. Aber immerhin - einige Schlußfolgerungen
sind möglich:
- Der Arbeitsaufwand des Weihnachtsmannes ist enorm, daß er
nur mit einer hoch effizienten Arbeitsorganisation und vielen Helfern
realisierbar erscheint.
- Wer sich Jahr für Jahr ein solches Arbeitspensum auferlegt,
kann seelisch nicht gesund sein. Die Diagnose lautet: Arbeitssucht.
Dem Workaholic-Weihnachtsmann ist dringend eine Therapie anzuraten.
- Andererseits hält ihn die unermüdliche, körperlich
schwere Arbeit fit. Denn seit mehr als hundert Jahren ist er als ein
älterer Herr bekannt, der immer rüstig bleibt. Der seine
Aufgabe trotz der weltweit wachsenden Bevölkerungszahl und der
zunehmenden Geschenkemenge pünktlich erfüllt.
- Es besteht die Gefahr, daß ihn der Dauerstreß eines
Tages zu Fall bringt. die Hoffnung, daß ihn das Christkind eines
Tages ablösen könnte, scheint sich nicht zu erfüllen.
Von normalen Kindern unterscheidet es sich nicht nur durch seine Flügel,
sondern auch dadurch, daß es nie erwachsen wird.