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Wirkungslose Antibiotika
Werden Bakterieninfektionen
wieder zur tödlichen Bedrohung?

Ausgabe Oktober 2002 /5.Jahrgang

 

In drei Beiträgen berichtete EGO-Net im letzten Winter über die Rückkehr von Seuchen, die Mediziner für längst besiegt hielten. Seit kurzem drohen viele von Bakterien verursachte Krankheiten wieder zur Gefahr zu werden. Seit dem Sommer droht nun auch das letzte wirksame Antibiotikum seine Kraft zu verlieren.

 

1928 beobachtete der Arzt Paul Fleming, daß eine dem Schimmelpilz Penicillium notatum entnommene Substanz gegen bakterielle Krankheitskeime in zweifacher Weise wirkt: Es tötet Bakterien, die sich in der Wachstumsphase befinden und hindert Bakterien, die sich im Ruhezustand befinden (Sporen) am Wachstum. In den Folgejahren entwickelten Forscher daraus ein Allzweckmedikament, das Penicillin, das vielen bis dahin tödliche Geißeln der Menschheit für alle Zeit den Garaus machte.

Für alle Zeit? Unter Bakterien kommen - wie unter allen Lebewesen - gelegentlich spontane Genmutationen vor.

Darunter auch solche, die dem Gift des Schimmelpilzes widerstanden. Während ihre Artgenossen starben, vermehrten sie sich munter weiter. Mit dem Ergebnis, daß der Kranke trotz Penicillin starb.

Die Pharmabranche wich zunächst auf andere Substanzen aus. Immer neue Antibiotika kamen auf den Markt. Es begann ein Wettlauf gegen die Zeit. Es bildeten sich Bakterienstämme, die gegen immer mehr Substanzen immun wurden. Vor zwei Jahren schlug eine Arbeitsgruppe der Bundesregierung Alarm. Besonders stark waren Resistenzen unter den Erregern der sogenannten Krankenhausinfektionen verbreitet. Trotz strenger Hygienevorschriften infizieren sich zehntausende Kranke in Hospitälern untereinander mit Keimen des Bakteriums Staphylococcus aureus, der unter anderem Wundinfektionen, Herzerkrankungen, Lungenentzündung und Lebensmittelvergiftung auslöst. Da in Krankenhäusern viel mit Antibiotika therapiert wird, sind dort resistente Bakterien weit verbreitet.

Bis heute behelfen sich Ärzte mit den letzten noch wirksamen Antibiotika, die aber zum Teil erhebliche Nebenwirkungen mit sich bringen. Wenn alle Mittel versagten, blieb bisher noch ein Medikament: das Vancomycin. Im Sommer fanden amerikanische Ärzte nun erstmals einen 40jährigen Patienten, der sich mit dem Krankenhauskeim Staphylococcus aureus infiziert hatte und bei dem dieses letzte Antibiotikum versagte. Der Patient hatte Glück. Seine Ärzte konnten ihm mit einem alten Anbiotikum helfen, gegen den der bei ihm gefundene Bakterienstamm zufällig nicht resistent war.

Doch nun ist klar: in den kommenden Jahren wird die Zahl der Patienten wachsen, die wie ihre Urgroßeltern durch Erreger von Diphtherie, Typhus, Tripper, Tuberkulose, aber auch durch Salmonellen in Lebensgefahr geraten, weil ihnen keines der modernen Mittel mehr helfen kann. Tuberkulose gilt als besonders gefährlich, da die Gefahr besteht, daß resistente Stämme aus Russland eingeschleppt werden, einem Land, wo die Seuche millionenfach auftritt und Antibiotika nach dem Gießkannenprinzip eingesetzt werden.

Resistenzen sind kein unabwendbares Schicksal. Inzwischen gibt es Daten, daß diese gefährlichen Bakterienstämme wieder verschwinden, wenn sie gegenüber ihren harmloseren Artgenossen keinen Überlebensvorteil mehr besitzen - sprich: Antibiotika die harmlose Varianten nicht zugunsten der gefährlichen ausrotten. Dafür muß auf den Antibiotikaeinsatz nicht vollständig verzichtet werden. Es genügt, einige Regeln strickt zu beachten:

·       Antibiotika nur gegen bakterielle Krankheiten einsetzen. Noch immer werden Antibiotika gegen Viren und Pilzinfektionen verordnet (Schnupfen, Grippe, Schleimhautinfektionen).

·       Antibiotika nicht bei harmlosen Erkältungen, sondern nur gegen wirklich bedrohliche Erkrankungen einsetzen. Einfache Erkältungen lieber mit Hausmitteln (Wickel, Schwitzen, Gurgeln) oder mit wirksamen Naturpräparaten (Kartoffelextrakten, Oregano-Öl, vitaminreiche Kost) bekämpfen.

·       Eine Antibiotikabehandlung, wenn sie denn durchgeführt wird, auch konsequent bis zur Ausrottung des letzten Krankheitskeim durchhalten. Wegen der Kosten oder Nebenwirkungen brechen Patienten die Einnahme oft zu früh ab. Ergebnis: Es bleiben Bakterien übrig, unter ihnen einige resistente Individuen,, die sich weiter verbreiten.

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