BSE Die Abkürzung
steht für Bovine Spongiforme Enzephalopathie - schwammförmige
Hirnkrankheit des Rindes. Die Tiere werden aggressiv, fangen
an zu torkeln und einzuknicken. Bis zum Tod wegen der Hirnerweichung
vergeht ein halbes Jahr. Berüchtigt wurden die Erreger
- Prionen - entartete Eiweißmoleküle, die kleinsten
bekannten Krankheitskeime überhaupt. Gesunde Eiweißkörper
verändern ihre Faltungsstruktur und übertragen
sie auf weitere Moleküle. Seit 1985 erkrankten in Großbritannien
170 000 Tiere. Im übrigen Europa gab es nur Einzelfälle
durch Import britischer Tiere, die meisten in der Schweiz
(256). Wahrscheinlich stammt die Krankheit von Schafen,
deren Tiermehr an Rinder verfüttert wurde.
Nachweislich kann die Krankheit vom Rind auf Ziegen, Schafe,
Schweine, Katzen und auch Affen übertragen werden.
Die Vermutung liegt nahe, daß auch der Mensch gefährdet
ist. Ähnliche Symptome wie bei der Rinderseuche finden
sich bei der Creutzfeld-Jakob-Demenz (CJD). Wie bei anderen
Hirnerkrankungen beobachtet man zunächst Störungen
im Gedächtnis, später auch in der Motorik.
Die klassische Form ist seit achtzig Jahren
bekannt und konnte bis vor kurzem erst nach dem Tod nachgewiesen
wurden. Dann fand man im Rückenmark Prionen. Betroffen
sind von dieser seltenen Störung Personen über
sechzig, bei denen es - wahrscheinlich aufgrund eines genetischen
Defekts - zur krankhaften Veränderung der Nerveneiweiße
kommt. Sie hat nichts mit BSE zu tun und entsteht nicht
durch Ansteckung. Anders die neue Form der CJD. Sie trifft
junge Menschen. Durchschnittsalter 29 Jahre. In Großbritannien
sind mehr als 100 Personen daran gestorben. Drei Fälle
sind aus Frankreich bekannt, einer aus Nordirland.
Daß infiziertes Rindfleisch die Krankheit überträgt
und auslöst, ist zwar noch nicht zweifelsfrei bewiesen,
aber sehr wahrscheinlich. Wie viele Personen noch erkranken
werden, ist unbekannt, da die Zeit zwischen Ansteckung und
Ausbruch der Krankheit bis zu 20 Jahre betragen kann. Man
weiß auch nicht, wieviel infiziertes Material jemand
gegessen haben muß, um sich zu infizieren.
Anfängliche Schreckensvisionen rechneten mit über
100 000 Todesfällen für die nächsten beiden
Jahrzehnte. Detaillierte Berechnungen erwarten jetzt nur
noch 200 Todesfälle und gehen davon aus, daß
der Höhepunkt der Epidemie bereits überschritten
ist, weil sich die meisten Opfer Anfang der 80er Jahre in
Großbritannien infizierten, als die Gefahr noch nicht
erkannt war. Mittlerweile wird das Fleisch bei uns getestet,
so daß das Risiko einer Neuansteckung sehr gering
ist. Vermutlich wird es in den nächsten Jahren bei
uns nur wenige Neuerkrankungen geben - wenn überhaupt.
Jedoch hat die Medizin bisher keine wirksame Therapie anzubieten,
und ein Durchbruch ist nicht in Sicht. Eine Impfung ist
aufgrund des seltsamen Erregers ebenfalls nicht möglich.
Syphilis. Daß die tödliche Geschlechtskrankheit
nur moralisch verdorbene Personen trifft - vor allem, wenn
sie weiblich sind - galt noch Mitte des 19. Jahrhunderts
als sicher. Die meisten Historiker glauben, daß die
Matrosen des Christoph Columbus 1492 die Krankheit aus der
Neuen Welt mitbrachten. Jedenfalls finden wir die erste
Epidemie im Heer Karls VIII. von Frankreich, der mit 30
000 Mann ab 1494 plündernd durch Europa zog - daher
der Name Französische Krankheit. In der
Tat befanden sich in dem Heer zurückgekehrte spanische
Seeleute.
Zuerst gibt es nur eine schmerzlose, glänzend rote
Stelle an den Geschlechtsorganen oder an den Lippen. Dieses
harmlose Signal verschwand nach einigen Wochen von allein
und alles schien überstanden. In Wahrheit begannen
die Erreger sich in rasendem Tempo zu vermehren und den
Körper zu durchdringen. In jener Zeit gaben die Infizierten
den Erreger durch Sex weiter. Etwa zwei Monate später
meldeten sich unerträgliche Schmerzen, Ausschlag mit
übelriechenden Absonderungen breiteten sich über
die Haut aus, fraßen sich in das Gewebe, führten
zur Zerstörung von Harnwegen oder zur Erblindung. Häufig
zerfraßen die Geschwüre das Gesicht und die Hirnhäute.
Nach mehreren Jahren trat der Tod ein.
Kein Wunder, daß Sensationsberichte über die
neue Lustseuche mit moralischen Vorhaltungen einher gingen.
Die erste Therapie war Quecksilber, eine Roßkur, bei
der nicht sicher war, wer zuerst an dem giftigen Metall
starb: der Krankheitskeim oder der Patient. Erst 1905 entdeckten
zwei Berliner Ärzte korkenzieherförmige Bakterium,
und 1909 fand Paul Ehrlich das erste wirksame Präparat
Salvarsan, eine Arsenverbindung. Doch auch das schädigte
den Menschen. Erst Penicillin und andere Antibiotika brachten
den Durchbruch.
Eine Zeitlang gingen die Neuinfektionen kontinuierlich
zurück, weil der Spruch Kondome schützen
nicht nur gegen AIDS, sondern auch gegen Syphilis und andere
sexuell übertragbare Krankheiten Wirkung zeigte. Seit
jedoch AIDS nicht mehr die Schlagzeilen beherrscht, nehmen
die Neuinfektionen wieder zu.
AIDS (acquired immune deficiency syndrome). 1980 häuften
sich in Amerika Berichte über junge schwule Männer,
die alle an seltenen Krankheiten starben - Tumore, Pilzinfektionen,
Lungenkrankheiten durch Viren, die bisher als ungefährlich
galten. Bald stand fest, daß ihr Immunsystem nicht
in der Lage war, harmlose Keime abzuwehren. Als Überträger
dieser Immunschwäche war bald ein kanadischer Steward
ausgemacht, Gaetan Dugas, der sich zwar schwach fühlte
(auch die Haare gingen ihm aus), aber immer noch für
seine Airline durch die Welt flog. 1982 meldeten die USA
900 Krankheitsfälle, 1985 waren es schon 12 000 - und
Gaetan Dugas war tot. Inzwischen war auch klar, daß
das Virus nicht nur Schwule, Fixer und Prostituierte anfiel
und aus dem afrikanischen Urwald nach Amerika gekommen war.
Das HIV (Human Immunodeficiency Virus) greift genau jene
Zellen an, die für die Immunabwehr zuständig sind.
Kurz nach der Infektion bildet der Körper wie bei jeder
anderen Virusinfektion Abwehrstoffe - sie machen einen Nachweis
der Infektion im Test möglich - das HI-Virus umgeht
jedoch die Antikörper, indem es seine Oberflächenstruktur
ändert und so für unsere Immunabwehr unerkennbar
wird. Dann dringt es in die Abwehrzellen ein und bringt
sie dazu, statt Abwehrstoffe neue Aidsviren zu produzieren.
Mit der Folge, daß sie nicht mehr für die Immunabwehr
arbeiten. Deshalb scheint eine Impfung nur schwer möglich.
Selbst wenn Mediziner ein entsprechendes Serum fänden:
es bestände die Gefahr, daß es zwar eine Infektion
verhindert, aber nun seinerseits das Immunsystem zerstört.
In unseren Breiten können zwischen Infektion und Ausbruch
der Krankheit zwölf und mehr Jahre vergehen. Ein starkes,
gut genährtes Immunsystem setzt der Krankheit lange
Zeit Widerstand entgegen. In Afrika rafft dagegen AIDS hungernde
Kinder oft schon innerhalb von drei bis vier Monaten dahin.
Seit AIDS nicht mehr das Thema Nr. 1 in den Medien ist,
läßt die Vorsicht wieder nach. Rund 30 Prozent
lassen es auf ungeschützten Geschlechtsverkehr mit
Fremden ankommen, weitere 20 bis 25 zumindest gelegentlich.
Dabei hat sich die Lage seit den achtziger Jahren kaum verbessert.
Zwar gibt es inzwischen eine teure Kombinationstherapie
aus mehreren Medikamenten, aber sie hält nur das Fortschreiten
der Krankheit eine Zeitlang auf. Man weiß außerdem,
daß ein früher Beginn der Behandlung die Lebenserwartung
der Infizierten deutlich verbessert. In den USA besagen
die aktuellen Zahlen, daß die Lebenserwartung nach
Ausbruch der Krankheit im Schnitt von 11 Monaten (Stand
1984) auf etwa drei Jahre gestiegen ist. Eine Heilung ist
aber weiterhin nicht möglich.
Bisher starben 19 Millionen Menschen weltweit an AIDS,
40 Millionen sind infiziert, jedes Jahr kommen rund fünfeinhalb
Millionen dazu. Besonders schnell breitet sich AIDS in der
früheren Sowjetunion aus und in Osteuropa. Im Osten
Deutschlands hat die Immunschwäche dagegen kaum Fuß
gefaßt. 96 Prozent der etwa 37 000 mit dem HI-Virus
infizierten Deutschen wohnen in den alten Bundesländern.
Bei 5.000 Menschen war die Krankheit voll ausgebrochen.
Etwa 600 Patienten starben im letzten Jahr (seit Beginn
der Epidemie 18 000). Seit kurzem steigt die Zahl der Neuinfektionen
wieder an. In Deutschland registrieren die Behörden
im Jahr rund 2 000 Neuinfektionen.
Bei heterosexuellem Sex beträgt das Ansteckungsrisiko
1 : 588. Also eine Ansteckung auf knapp 600 Kontakte. Das
scheint zunächst nicht viel zu sein. Findet der ungeschützte
Verkehr zwischen beiden öfter statt, wächst die
Gefahr aber sehr schnell. Wer zehn Mal mit einem Infizierten
ins Bett geht, bei dem liegen die Risiken bei 50 : 50. Um
ein Vielfaches höher ist die Ansteckungsgefahr außerdem
bei Teenagern und wenn der Überträger - zum Beispiel
wegen fehlender medizinischer Behandlung - eine sehr hohe
Zahl von Viren in sich trägt. Es kommt zudem auf die
Sexpraktiken an. Je sanfter, desto geringer das Risiko.
Bei Oralsex besteht nach neuen Erkenntnis so gut wie gar
keine Ansteckungsgefahr. Das Risiko, daß eine Frau
das Virus an einen Mann weitergibt ist beinahe doppelt so
hoch (1 zu 454) wie umgekehrt (1 zu 769).
Die alarmierenden Warnungen der achtziger Jahre haben nicht
an Schrecken verloren. Die Tatsache, daß die Aufklärung
die Ausbreitung von AIDS in Europa eindämmte, darf
nicht zu dem Glauben verführen, die Journalisten und
Ärzte hätten übertrieben. Sobald wir zu früherer
Umbekümmertheit zurückkehren, wird die Lawine
wieder ins Rollen kommen. So wie in Afrika und neuerdings
auch wieder in Amerika: Nachdem Schwule in San Francisco
in größerem Umfang zu ungeschütztem Sex
zurückkehrten, verdoppelte sich dort innerhalb eines
Jahres die Zahl der Neuinfektionen.
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